Vorurteile
Sehen wir einen Menschen, so legen wir ihn innerhalb weniger Sekunden in eine Schublade und das obwohl wir nichts über ihn wissen und ohne vorher mit demjenigen auch nur ein einziges Wort gesprochen zu haben. Um die richtige Schublade zu finden, orientieren wir uns nur an Oberflächlichkeiten wie Kleidung, Auftreten, Gestik, Mimik und Schmuck. Dabei bedenken wir eines nicht und zwar, dass alles davon austauschbar ist oder bewusst verändert werden kann und so treffen wir wohl selten bis fast nie die „richtige" Entscheidung.
Ich denke, dabei handelt es sich um eine Art Schutzmechanismus der uns vor unangenehmen (gefährlichen?) Bekanntschaften bewahren soll. Ein weiterer Punkt ist wahrscheinlich auch, dass wir immer versuchen uns Dinge zu erleichtern. Statt langen Wörtern merken wir uns Abkürzungen, bei der Wahl zwischen dem leichten und dem schweren Weg wählen wir meistens den leichteren, obwohl uns der schwerer mit ziemlicher Sicherheit mehr befriedigen würde und kurze sowie prägnante Spitznamen merken wir uns leichter als den richtigen Namen. Meines Erachtens ist dies alles im Angesicht der unglaublich vielen Informationen, die wir tagtäglich verarbeiten müssen bzw. sollten auch vertretbar.
Mit Vorurteilen verhält es sich gleich: Die vielen Menschen die wir jeden Tag sehen, sei aus nun auf der Arbeit, in der U-Bahn oder auf einer Einkaufspromenade, schubladisieren wir einfach und wählen nur Menschen aus, mit denen es sich unserer Ansicht nach auch lohnt in Kontakt zu treten, also Menschen die in der richtigen Schublade stecken.
Steckt man erstmal in einer bestimmten Schublade ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit in einer andere zu gelangen. Einfacher ist es aber dennoch von einer positiven in eine negative Schublade „umgeräumt" zu werden, als umgekehrt.
„Es ist schwieriger, eine vorgefaßte Meinung zu zertrümmern als ein Atom."
Albert Einstein
Näher betrachtet ist diese Verhaltensweise eigentlich als falsch zu deklarieren, denn fast jeder Mensch ist wertvoll und so ist er es auch wert kennen gelernt und richtig „eingestuft" zu werden. Ich habe bewusst fast geschrieben, da Vergewaltiger, Kinderschänder und Pädophilie für mich den Abschaum der Gesellschaft darstellen und ich daher keinen davon als wertvoll erachte. Klingt hart, denn viele werden nur wegen psychischer Probleme zu solchen Menschen, aber im Vergleich zu dem was deren Opfer durchmachen müssen ist das jedenfalls auch keine Entschuldigung.
Andererseits haben Vorurteile, solang aus ihnen kein Nachteil entsteht, auch eine gewisse Existenzberechtigung, da sie uns - wie bereits erwähnt - in gewisser Weise schützen. In der Vorurteilsforschung wird von „aufwertenden" und „abwertenden" gesprochen. Näher will ich darauf aber gar nicht eingehen.
Ich habe versucht, mir einige weit verbreitete Vorurteile in Erinnerung zu rufen:
- Ist man im sichtbaren Bereich tätowiert wird man meist als kriminell und/oder drogenabhängig abgestempelt. Des Weiteren ist es einen, im sichtbaren Bereich, tätowierten kaum möglich in einer Bank zu arbeiten bzw. eine „Chefposition" einzunehmen, da man als nicht seriös gilt.
- alle Ausländer und Arbeitslosen sind nur Sozialschmarotzer.
- Hat man eine chronische körperliche oder psychische Erkrankung, stufen einen Vorgesetzte und Kollegen als schlechte Arbeitskräfte ein.
- Reinigungskräfte sind „minderwertige" Arbeitskräfte und das obwohl sie in vielen Bereichen den uneingeschränkten Betrieb aufrecht erhalten. Ein Beispiel hierzu wäre das Krankenhaus in denen das Reinigungspersonal einen sehr großen und vor allem sehr wichtigen Bestandteil der Hygienemaßnahmen darstellen.
- Menschen die studieren bzw. einen Maturaabschluss (Matura = Abitur) sind intelligenter als andere.
- Dipl. Gesundheits- und Krankenschwestern bzw. Pfleger sind besseres Pflegepersonal als Pflegehelfer.
- Computerspieler sind alles zurückgezogene und gesellschaftsunfähige Freaks.
- uvm.
Das waren meine Gedanken zu diesem Thema und sollten euch noch weitere einfallen, schreibt sie bitte in die Kommentare!