über mich


Nachdem der Blog nun schon seit 23. Dezember 2008 existiert, habe ich mich dazu entschlossen meine bisherige "Biographie" etwas zu überarbeiten bzw. zu erweitern.  Zusätzlich werde ich auch ein Foto (für Vergrößerung einfach anklicken!) von mir veröffentlichen, das erst gestern - nach meiner Reha - entstanden ist:

Als ich mit der Hauptschule begonnen hatte, mutierte ich dort schnell zum Außenseiter und wurde täglich verarscht. Anfangs machte es mir nichts aus. Es prallte alles an mir ab und störte mich nicht weiter. Als sich dann jedoch mein großer Bruder Stefan am 22. Februar 2000 das Leben nahm, war ich derart seelisch geschwächt, dass mich jedes böses Wort wie ein brennender Pfeil verwundete. Gleichzeitig verlor ich jeden Willen mich zu wehren, oder den unpassenden Kommentaren, die auch meinen Bruder betrafen, entgegenzutreten. Ich lies mich schnell nach dem Tod meines Bruders durch Fußball oder ähnliches ablenken, indem ich etwas mit meinen Freunden unternommen habe. Ich habe es immer vor mir her geschoben, meinem Bruder den Platz zu geben den er brauchte, damit ich ihn verarbeiten und mit seinem Verlust umgehen konnte. Ganz verarbeiten kann man so was natürlich nie, aber ein wenig, damit es einen selbst besser geht. Ich habe es bis jetzt nie getan und fange jetzt erst, über 8 ½ Jahre später damit an. 

Seit der Hauptschule, ist mein Selbstvertrauen sowie mein Selbstwertgefühl praktisch nicht vorhanden und wurde in dem einem Jahr indem ich die HAK Rudigierstraße besucht noch weiter vermindert.

Danach habe ich eine Lehre am Magistrat der Stadt Linz als Verwaltungsassistent (Bürokaufmann mit besonderem Schwerpunkt für den öffentlichen Dienst) begonnen. Ich wurde dem damaligen Kulturamt, heute Linz Kultur, zugeteilt und es begann eine neue Zeit. Dort wurde ich sehr gut in das Team aufgenommen und war nicht einfach nur ein Lehrling, sondern ein Kollege. Mir machte es Spass dort zu arbeiten und ich habe mich selbst unter Druck gesetzt und mein bestes gegeben. Ich war alle drei Jahre Klassenbester in der Berufsschule und habe wahrscheinlich die beste Lehrabschlussprüfung dieses Lehrberufes in Oberösterreich abgelegt. In der Arbeit wurde ich von allen gelobt, aber ich konnte einfach kein Lob annehmen. Meine Leistungen habe ich immer mit Kommentaren wie: „So besonders ist das nicht" oder ähnliches abgetan und innerlich dachte ich mir immer „Das sagen sie nur so" oder „So etwas sagen sie doch zu jedem Lehrling". Als ich nach drei Jahren dort aufhören musste, weil meine Lehrzeit zu ende war, sagten alle ich war der beste Lehrling den sie je hatten. Erneut konnte ich dieses Lob nicht annehmen bzw. es drang nicht zu mir durch. Der Abschied dort ist mir sehr schwer gefallen, weil es mir dort ziemlich gefallen hat und ich alle Kollegen ins Herz geschlossen hatte. Nebenbei habe ich noch die Prüfung zum staatlich geprüften Personalverrechner, erneut mit ausgezeichneten Noten, abgeleg. 

Nach dem Ende meiner Lehrzeit hatte ich nur eine Woche Pause, bevor ich meinen Zivildienst im Seniorenzentrum Kleinmünchen angetreten habe. Anfangs war ich etwas skeptisch, aber bereits nach einer Woche war ich erneut in meinen neuen „Beruf" verliebt. Erneut habe ich mich selbst unter Druck gesetzt, mein Herz in meine Tätigkeiten gelegt und mein bestes gegeben. Ich bin jederzeit eingesprungen, oder habe gefragt ob ich noch extra kommen soll, wenn jemand fehlte und bin auf über 70 Überstunden in neun Monaten gekommen. Dort fingen auch die ersten psychosomatischen Symptome an wie erhöhter Blutdruck, Hitzewallungen, Hals- und Ohrenschmerzen und die ersten Schlafstörungen. Für mich gab es keinen ersichtlichen Grund und jede Untersuchung ergab, dass ich kerngesund bin. Die neun Monate die ich dort verbrachte machten mir unglaublich viel Spass und der Abschied fiel mir erneut sehr schwer. Während der letzten sechs Monate dort, ging es mir psychisch immer schlechter und die ersten Selbstmordgedanken und einige Sinnesfragen wie zB „Was ist der Sinn des Lebens?" bzw. „Wozu leben wir überhaupt?" beschäftigten mich. Zusammenfassend ging es mir mit Ende des Zivildienstes psychisch und körperlich extrem schlecht. Verstärkt wurde dies alles durch Sachen wie zB erneutes Pech in der Liebe und einer, durch übermäßigen Alkoholgenuss in Verbindung mit meinen psychischen Problemen indizierte Gastritis.

Anfang Mai, auch wieder nur nach einer Woche Pause, fing die Ausbildung zum Pflegehelfer, im MED-Ausbildungszentrum des AKH Linz an, für die ich mich angemeldet hatte. Ins Büro wollte ich auf keinen Fall mehr und durch die neun Monate im Seniorenzentrum Kleinmünchen hab ich meine Leidenschaft für alte Menschen bzw. Krankenpflege generell entdeckt. In der Schule lernte ich wundervolle Leute kennen und jemand ganz speziellen (siehe Resümee 2008). Die Schule machte Spass und meine Noten waren erneut wunderbar. Psychisch und körperlich ging es mir trotz allem von Woche zu Woche schlechter.

Im August begannen unsere ersten Praktika im AKH Linz. Meine erste Praktikumsstelle war eine der zwei Orthopädie Stationen. Jetzt könnte ich einen der oberen Texte kopieren in denen steht, dass es mir erneut sehr gut gefallen hat und ich wieder alles gab und durch ausgezeichnete Bewertungen belohnt wurde, aber ich mache es nicht. Meine Gastritis wurde mal besser, mal schlechter. Meistens schlechter. Gegen Ende des Praktikums, während der Zeit des Verabschiedens von dort, erreichten meine Magenprobleme, so wie ich dachte, den absoluten Höhepunkt und ich konnte oft tagelang nichts essen ohne es kurz darauf wieder zu erbrechen.

Nach der Orthopädie kam ich auf eine der zwei Dermatologie Stationen. Dort wollte ich aus persönlichem Interesse hin, aber mir ging es psychisch und körperlich so dermaßen schlecht, dass es mir dort einfach nicht gefallen konnte. Einige Kollegen waren auch nicht sonderlich sympathisch, was es nicht gerade erleichterte. Täglich hatte ich nun Selbstmordgedanken und Absichten mir das Leben zu nehmen. Ich begann in meinem Kopf über Möglichkeiten des Suizids und über einen Abschiedsbrief nachzudenken. Ich glaube, in meinem Kopf habe ich bereits 20-mal einen Abschiedsbrief geschrieben. Zusätzlich verlor ich jeglichen Antrieb für alles um mich herum, egal ob Hobbys (Ich hatte gegen Ende nur noch eines. Später mehr dazu), Freunde, fortgehen, Essen, Atmen, vor allem auch den Antrieb zu leben... Ja, auch den Antrieb zum Essen, weil es für mich keine wichtige Aufgabe hatte, außer des es zum Leben notwendig ist, aber wozu hätte ich mein Leben aufrechterhalten sollen, wenn ich keinen Sinn darin sehe?

Jedenfalls ging ich zu einem anderen Arzt dem ich mehr vertraute, als meinem Hausarzt, der eigentlich nur für schnelle und lange Krankenstände sowie Schulbestätigungen oder ähnliches zu gebrauchen war. Ich erklärte ihm meine körperlichen Beschwerden und behauptete, dass es mir psychisch wunderbar geht. Er sah mich lange an bis er sagte: „Ich glaube es dir nicht."

Bum, es war wie ein Schlag ins Gesicht. Er hatte meine Fassade eines zufriedenen für andere vielleicht etwas eigenartigen jungen Mannes durchschaut - einfach so. Natürlich merkten auch meine Eltern und andere Personen, dass es mir schlecht ging, aber ich habe keine Person an mich heran gelassen. Ich war noch nicht bereit dazu. Er verschrieb mir ein Antidepressivum und gab mir eine Überweisung für einen Psychotherapeut um einfach nur zu reden. Sprachlos nahm ich alles mit nach Hause und bedankte mich. An diesem Abend habe ich es dann auch endlich geschafft meinen Eltern zu sagen, dass es mir einfach nur beschissen geht. Sie verstanden es und wollten mir, so wie viele andere Personen zuvor, helfen. Ich wollte es noch nicht, wie gesagt, ich war noch nicht bereit dazu.

In etwa eine Woche danach, nachdem ich mehrere Tage kaum geschlafen und nicht gegessen hatte, weil ich keine Lust dazu hatte, kam ich von der Arbeit heim und setzte mich zu meinen Eltern auf das Sofa. Meine Worte waren in etwa „Ich kann nicht mehr. Körperlich und Psychisch. Ich habe keine Lust zu Arbeiten, Essen, lesen, atmen und vor allem habe ich keine Lust mehr zu Leben". Gemeinsam mit meiner Mutter ging ich erneut zu diesem Arzt und erklärte ihm alles. Er war nicht überrascht mich wieder zu sehen und drückte mir gleich eine Einweisung in die Landesnervenklinik Linz (Wagner Jauregg) in die Hand. Dankend nahm ich diese an. Ich war nun endlich bereit dazu mir helfen zu lassen. Ich wollte wieder Essen, Atmen, einfach nur glücklich sein und vor allem wollte ich eines: wieder richtig Leben. Keine Stunde später habe ich mein Zimmer in der Landesnervenklinik bezogen.

Zusätzlich zu all meinen Problemen und Sorgen, hatte ich ein „Hobby" welches mein Gefühl etwas leisten zu müssen um mich selbst wertvoll und nützlich zu finden noch mehr verstärkte. Die letzten drei Jahre bin ich zwischen fünf und 16 Stunden vor dem PC gesessen und habe mich in eine virtuelle Welt geflüchtet. Dort wurde man, je nachdem wie gut man spielte geschätzt und je mehr man spielte desto besser wurde man. Gegen Ende meine „Karriere" gehörte ich zu den Top 200 der Welt. Es war schon eine Leistung, aber sie brachte mich im echten Leben nicht weiter und raubte nur eines: Zeit. Letztendlich konnte man kaum noch von einem „Hobby" sprechen, sondern von Sucht. Mittlerweile habe ich dieses Spiel namens World of Warcraft aufgegeben und bereue es in keiner Sekunde.

Über ein Ereignis in meiner Kindheit kann ich noch nicht offen reden, geschweige den offen darüber schreiben, aber ich hoffe es in nächster Zeit verarbeiten zu können.

Ich weiß das das nun eine ziemlich lange Biographie, aber vielleicht geht einigen dadurch ein Licht auf, oder einige verstehen mich dadurch besser. Zusätzlich gibt es noch zwei Texte die dabei auch helfen könnten:
I dream, therefore i exist. - Beschreibung meiner Gedanken und Situation im August 2008.
Resümee 2008 - Das Jahr 2008 war so gesehen für mich das "Jahr meiner Krankheit"

Interview mit mir auf sebsn.com


Liebe Grüße
teh