Textzeilen

Veröffentlicht auf von teh


Ich weiß nicht wie das bei euch ist wenn ihr ein Lied hört oder einen Text liest und euch eine Textzeile bzw. Aussage einfach hängen bleibt und nicht mehr loslässt. Bei mir passiert das recht häufig - wie schon gesagt bei Songtexten, Geschichten und auch bei einzelnen Wörtern oder Aussagen die scheinbar ohne zusammenhang irgendwohin geschrieben wurden, zB mit einer Spraydose auf ein Werbeplakat oder mit Edding auf die Holzwände in einer Toilette. Diese Ausschnitte bleiben immer irgendwie in meinem Hinterkopf hängen und kommen mir immer wieder unter -  zB wenn ich nicht einschlafen kann oder wenn ich über Dinge is der "Vergangenheit" nachdenke.

Letzteres passiert verdammt oft - eigentlich täglich. Höre ich mir ein Lied an und höre diese eine Textzeile fallen mir sofort Situationen aus der Vergangenheit und umgekehrt genauso und das obwohl meine Gedanken und Situationen nicht einmal ansatzweise den Inhalt den Lied wiederspiegeln und ich diese Zeile komplett aus dem Kontext reisse.

"Have you ever been a part of something  that you thought would never end and then of course it did?" ist eine Textzeile in "Everchanging" von Rise Against und auf diese Frage kann ich nur mit Ja antworten - Ja im positiven sowie im negativen Sinn. In all die Stunden die, in denen ich vor nicht einmal ganz 6 Monaten in der Nacht wachgelegen bin, sich alle meine Gedanken  immer wieder im Kreis gedreht haben und am Ende jeglicher Überlegung Suizid stand und in all den vielen Momenten indenen ich einfach nur um das nackte Überleben gekämpft habe, war ich froh "ein Teil von etwas zu sein, von dem ich dachte, dass es niemals enden würde - was aber dann natürlich getan hat". Im Gegenzug, dachte ich auch, dass mein Bruder nie sterben wird und immer für mich da sein wird,...

Everchanging ist für mich ein besonderes Lied, da mich auch die Aussage "Now something has kept me here too long and you can't leave me if i'm already gone" (leider) immer wieder an eine unglückliche Liebe, an das ganze auf und ab meiner Gefühle und meinem Aussweg aus diesem Irsinn erinnert - "Irgendetwas hat mich zu lange hier gehalten, und du kannst mich nicht mehr verlassen, wenn ich bereits gegangen bin".

In einem weiteren Song von Rise Against namens "Heaven Knows" heißt es: "I close my eyes as the curtains draw. I thought I heard your voice but I thought wrong, 'cause you're not there anymore, no you're not there anymore" Ich denke diese Situation kennt jeder - jeder der einen Verlust erlitten hat, ganz unabhängig davon wie groß dieser war: "Ich schließe meine Augen so wie die Vorhänge zugezogen wurden und dachte ich höre deine Stimme, aber ich hatte mich geirrt, den du bist nicht mehr da. Nein, du bist nicht mehr da".

Ich könnte jetzt noch lange weiterschreiben, schon alleine für die Texte von Rise Against würde ich Tage brauchen, aber ich denke, dass dies erstmal ein guter Anfang war und sicher einen Teil zwei schreiben werde.

Wie bereits am Anfang erwähnt, reisse ich die Textzeilen komplett aus ihrem Kontext und dafür entschuldige ich mich bei dem Autor dieser wundervollen Texte, aber mich regen diese Zeilen immer wieder zum nachdenken an und das ist für mich der Teil der gute Musik ausmacht. Nämlich dass man über die Aussagen nachdenkt, oder eben über eigentlich ganz andere Dinge.


Veröffentlicht in Gedanken

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Thomas+von+Katzberg 05/23/2009 11:49

So sollte es sein und ich muß Dir zustimmen. Ein Text ist nicht nur ein Text, er ist die Weitergabe einer Lehre die jemand in Worten zusammengefasst hat. Ist Sie gut, so bleibt Sie im Gedächnis der Menschen und regt zum Denken an.

Liebe Grüße

Thomas

Thomas+von+Katzberg 05/16/2009 09:12

Hier können ab sofort Banner in meiner Topliste eingefügt werden.
http://toplists.in/de-toplisten/tl/1653/

limbo|| 05/15/2009 22:05

Musik, bei der man Gänsehaut kriegt, ist grundsätzlich geil.

Oft wirkt es wie eine Droge. Das geniale ist das die richtige Musik die Emotionen und Gefühle sehr stark in eine Richtung pushen kann.
Ist aber auch sicher von Mensch zu Mensch verschieden, je nachdem wie "empfänglich" man dafür ist.

Je nach Stimmung höre ich fröhliche positive Musik bzw. nachdenkliche melancholische Musik.

Daniel 05/15/2009 17:19

Ich glaube nicht, dass der Autor hier auf Entschuldigung pocht - das ist zumindest eine Art, wie Songtexte funktionieren sollten! Ich stolper gerade immer wieder über zwei In Flames-Passagen - einmal "Slow I go And the wait seems to be over All that I know Is that my life has become such a waste for you" (besonders bei der letzten unendlich intensiven Wiederholung) aus System und zum anderen "Please heal me, I cant sleep Thought I was unbreakable, but this is killing me, Call me everything, Make me feel unbreakable, lie and set me free" aus Delight & Angers - das mysteriöse ist, dass ich keinen Bezug zwischen den Texten und meiner aktuellen Situation herstellen kann, trotzdem haben beide eine unheimliche Wirkung auf mich. Eines lässt sich aber mit Sicherheit sagen: Songs, die dir so unter die Haut krabbeln, sind etwas Besonderes - und der Effekt hat nichts mit der Einprägsamkeit von Handy-Dudel-Melodien oder simplen Konserven-Pop-Songs zu tun!

Methusalem 05/14/2009 17:10

...mir fallen da auch so einige Zeilen ein, die hängengeblieben sind. Manchmal sind es Schnulzentexte we "Tränen lügen nicht", manchmal motivierende Gedanken wie "we can change the world" - oder Nachdenkliches von Novalis: "Wer mit sich selbst in Frieden lebt, der wird genauso sterben. Und ist selbst dann lebendiger als alle seine Erben". Ein düsterer Blick auf das Schulwesen: "we don't need no education" (Pink Floyd, The Wall) - ein Ohrwurm, der immer wieder zum Nachdenken über Komformität, Anpassungsdruck und Gedankenfreiheit anregen kann...

teh 05/15/2009 14:29


Es geht wohl den meisten so - man muss sich eben nur an "Change" und "Yes, we can" zurück erinnern. Kurz, prägnant und begeisternd.