Sprung

Veröffentlicht auf von teh

Majestätisch spannt sich die Brücke über das steinerne Tal, auf dessen Grund sich ein kleiner Fluss seinen Weg sucht. Am Beginn und am Ende der Brücke stehen Laternen um sie etwas auszuleuchten, doch es reicht bei weitem nicht. Der restliche Teil der Brücke wird von Dunkelheit und Schatten beherrscht und genau dort, im Schatten der zwei Meter hohen Brüstung regt sich etwas.

Wenn man genau hinsieht erkennt man einen großen, schlaksigen jungen Mann mit Brille um die 20 Jahre. Von Außen und von der Ferne betrachtet wirkt er ganz normal, so wie er da steht und an seiner Zigarette zieht. Blickt man jedoch etwas in seine Augen erkennt man nur eines: Verzweiflung. Abgrundtiefe Verzweiflung, wie sie ein Mensch nie empfinden sollte und falls doch, damit nicht allein sein sollte.

Lässig dämpft er seine Zigarrete der Marke Marlboro aus und blickt lange in die Dunkelheit. Tränen treten aus seinen Augenwinkeln hervor und er beginnt zu weinen. Was in ihm vorgeht weiß keiner... leider. Langsam zieht er sein Handy aus der Hosentasche und wählt die Nummer seines besten Freundes, aber mit dem Zusatz, dass er gleich in dessen Mobilbox gelangt (Anmerkung: Er wollte gar nicht mehr, dass ihm jemand hilft.) Mit zittriger und tränenverzerrter Stimme spricht er die ersten Worte darauf. Was gesagt wurde, weiß ich nicht mehr so genau, aber die letzten Worte der Nachricht haben sich in mein Hirn eingebrannt: „Peter mein kleiner Bruder. Was soll ich nur tun? Verzeih mir bitte. Es geht nicht anders. Ich werde immer für dich da sein. Ich liebe dich". Nach diesem „Abschied" erklomm er die Brüstung und sprang.

Er hat keinen Sinn im Leben gesehen und das Vertrauen verloren. In die Welt und die Menschen, doch vor allem in sich selbst.

In derselben Situation bin ich gerade, ich sehe in nichts einen Sinn und habe das Vertrauen in mich selbst verloren. Der Unterschied ist: Ich möchte wieder.

12. September 2008



So in etwa, habe ich es mir immer vorgestellt wie sich mein Bruder gefühlt hat und wie die Situation auf der Brücke war. Ich hatte auch das Vertrauen verloren, aber ich wollte wieder und ich hab es,  sehr vorsichtig ausgedrückt, geschafft



Veröffentlicht in Gedanken

Kommentiere diesen Post

Magdalena 01/28/2009 17:36

Ich verstehe es - leider!
Ich wünsche dir so viel Kraft, dass du IMMER jemanden an deiner Seite hast, dem du dich anvertrauen kannst und den Mut, das auch immer zu tun.
Du hat den Weg gewählt, dir helfen zu lassen Peter. Gott sei Dank!
Dein Bruder konnte es leider nicht.
Das ist so traurig.

Ich möchte dir dafür danken, dass du uns an deinem Schicksal teilhaben lässt.
Du machst mir so viel Mut damit, wie DU damit umgehst.

DANKE
Magdalena

teh 02/08/2009 11:25


Ich danke dir von ganzem Herzen.


Angie 01/24/2009 16:29

Sehr berührender Text!
Ich werde hier jetzt ncht schreiben, dass ich das verstehen kann, denn das wäre nicht wahr.
Ich denke niemand, der eine solche Situation nicht selbst erlebt hat, kann soetwas nachvollziehen.
Ich möchte dir hier nicht zu nahe treten oder so...
aber ich wünsche dir wirklich von Herzen viel Glück auf deinem Lebensweg, egal welche Höhen und Tiefen da noch kommen werden!!!

Meine ehrlich gemeinte Anteilnahme an deinem Schicksal

Angie

teh 01/24/2009 16:44


Danke. Mehr gibt es da nicht zu sagen.