Rückblick und Fazit: psychiatrische Rehabilitation

Veröffentlicht auf von teh

Wie ich bereits gestern angekündigt habe gibt es heute einen Rückblick meines Rehabilitationsverfahrens und einen kleinen Einblick in die Tagesstruktur und Therapien einer psychiatrischen Rehabilitation, kurz psy-Reha. Mein Aufenthalt war von 3. Dezember 2008 bis inkl. 13. Januar 2009, also 6 Wochen lang.

Die psy-Reha ist in der Landesklinik St. Veit als eine 15 Zimmer Station angesiedelt und wurde erst vor einem Jahr eröffnet. Sie wird als eine Kooperation zwischen pro mente und der Salzburger Landeskliniken (SALK) geführt. Der Ort St. Veit an sich ist nicht sonderlich groß, jedoch wunderschön in ein sonniges Plateau zwischen den beeindruckenden Bergen integriert und wird als heilklimatischer Kurort gehandhabt. Innerhalb der kleinen Gemeinde auf die das Prinzip „Jeder kennt jeden" total zutrifft wird noch viel Brauchtum gepflegt, was sich in den unzähligen Vereinen widerspiegelt. Es existiert sogar ein „Mia is wurscht"-Club was umgangssprachlich „mir ist es egal" bedeutet. Jedenfalls sind alle Bewohner von St. Veit Fremden gegenüber sehr nett gestimmt und man wird sofort mit Du angesprochen, was ich als sehr herzlich und angenehm empfand.



Wochenplan und Therapien

Ich habe mir erlaubt meinen Wochenplan, der sowieso für fast alle gleich war einzuscannen. Unterteilt waren wir in zwei Gruppen. Gruppe grün und Gruppe rot. Von den Therapien und sonstigem war kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen, nur das wir jeweils die Therapien gegengleich hatten, da man in kleineren Gruppen besser agieren, sich besser integrieren, sich öffnen und sich schneller, eine auf Vertrauen basierende Gemeinschaft, bilden kann.


Nun zu den Therapien. Einige der Erklärungen und Formulierungen habe ich aus der Patienteninformations- mappe übernommen. Zur Facharzt- und Zimmervisite sowie zu den Angehörigengesprächen werde ich nichts verlieren, da sich bestimmt jeder denken kann, worüber da gesprochen wurde. Die Angehörigengespräche werden übrigens nur geführt, falls mal noch nicht volljährig ist.


Basisgruppe

Die Basisgruppe ist ein psychotherapeutisches Gruppenangebot, in dem Sie sich und Ihre Erkrankung in der Auseinandersetzung mit anderen Betroffenen erleben. Die Gruppe fördert das soziale Lernen und ermöglicht das Erkennen der eigenen sozialen Rolle innerhalb der Gruppe. Der Umgang mit vielfältigen Themen wie Berufsleben, Gesundheit, Umgang mit Konflikten und Selbstsicherheit ermöglicht es Ihnen alte Verhaltensmuster zu überdenken, zu verlassen und ein neues gesundheitsförderndes Verhalten zu entwickeln.


Ergotherapie

Ergotherapie geht davon aus, dass Aktiv-Sein eine heilende Wirkung hat. Sie soll durch richtige Beratung und spezielles Training beim Erkennen und bei der Bewältigung von persönlichen Schwierigkeiten in Alltags- und Arbeitssituationen helfen. Im Umgang mit verschiedensten Materialien wie Farbe, Speckstein und Peddigrohr können eigene Bedürfnisse wahrgenommen und ausgedrückt werden.

Anfangs hat mir die Ergotherapie überhaupt nicht gefallen, da ich mich bisher noch nie für basteln, zeichnen, malen, flechten und sonstigen kreativen Aktivitäten begeistern konnte. Deshalb habe ich zu beginn der Therapie nur einige Bilder aus meinen Kopf gezeichnet, aber mit der Zeit habe ich das Malen mit Acrylfarben auf einen Keilrahmen für mich entdeckt und es hat mir unglaublich viel Spass gemacht.

Meine „Kunstwerke":

Carpe Diem - Nutze/pflücke den Tag!

Void - Leere (Tipp: Augen)

Paradise Lost

Fossilien

Meeresblick

Nicht sonderlich gute Bilder, aber mir hat es Spass gemacht sie zu gestalten.


Musik- oder Kunsttherapie

Ich hatte mich für Musiktherapie entschieden, da ich sehr gerne Musik höre und man auch, ohne ein Instrument zu spielen, teilnehmen konnte. Sie bietet Zeit um

  • vertrautes zuzulassen,
  • gemeinsam Neues zu entdecken,
  • sich zu orientieren,
  • los zu lassen und andere Blickwinkel ermöglichen,
  • und neues Wohlbefinden zu spüren.

Die Ziele sind der Ausbau der individuellen Kreativität, die Selbst- und Fremdwahrnehmung, die Erweiterung der sozialen Kompetenz sowie die Stärkung des eigenen Ichs.

Wir haben in der Gruppentherapie sehr viel mit Klangschalen und anderen mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannten Instrumenten gearbeitet, was sehr angenehm war und allen Teilnehmern viel Spass bereitet hat. Zusätzlich hatte ich noch Musikeinzeltherapie und die Therapeutin hat mir auf meinen Wunsch hin einige Gitarrengriffe bzw. Akkorde gezeigt, da für mich die akustische Gitarre neben dem Klavier und der Geige das schönste Instrument ist. Eigentlich wollte ich schon immer mal Gitarre lernen, aber ich konnte mich bisher noch nie dazu aufraffen.


Entspannung

In den beiden Entspannungsgruppen am Dienstag und Freitag hatten wir die möglich die Anfangsstufen von zwei Entspannungstechniken zu lernen. Dienstag wurde die progressive Muskelentspannung nach Jacobson gelehrt und freitags das autogene Training. Wir mussten nicht an beiden Gruppen teilnehmen, sondern nur an der, die für einen selbst am besten funktioniert bzw. gepasst hat. Bei mir war das das autogene Training am Freitag. Davon bin ich ziemlich begeistert und werde es auf jedem Fall noch weiter verfolgen. Zu den beiden Techniken möchte ich erstmal nichts schreiben, da ich mit dem Gedanken spiele ihnen einen eigenen Artikel zu widmen.


Bewegung und Rückenschule

Beides dauerte jeweils nur 20 Minuten bestand großteils aus Dehnungsübungen.


Psychosoziale Gruppe

Die psychosoziale Gruppe am Freitag war für mich genau so etwas wie die Basisgruppe nur mit vorgegeben Themen, zB Genuss, Aggression, Trauer uvm. und dazu gehörigem Verhaltenstraining.

Selbstverständlich hatten wir Einzelgespräche mit einem Psychotherapeuten. Mein Therapeut war mir sehr sympathisch und hat mich auf viele neue Ideen gebracht, die es nun zu konkretisieren gilt.


Fazit

Im Nachhinein betrachtet hat mir das Rehabilitationsverfahren sehr viel gebracht. Die ersten 3-4 Wochen hat es eigentlich überhaupt nicht gefallen, da ich relativ wenig Fortschritt festgestellt habe. In den letzten beiden Wochen ging es mir jedoch von Tag zu Tag besser. Die Therapien gefielen mehr besser, ich konnte mich leichter einbringen und mit meinen Mitpatienten habe ich viel unternommen wie zB Kegeln, Dart, Billard, spazieren gehen sowie Bergsteigen.

Momentan geht es mir ziemlich gut, so gut wie schon sehr lange nicht mehr und ich bin voller Motivation und Tatendrang. Ich muss mich aber jedoch auch etwas bremsen, damit mir nicht alles zuviel wird und so sind kleinere Schritte angesagt. Sachen wie Ergo- und Musiktherapie haben mein Selbstvertrauen gestärkt und meine Begeisterung für das Malen und Gitarre spielen entfacht und ich hoffe eines davon weiterzuverfolgen bzw. nicht aus den Augen zu verlieren.

Zusätzlich habe ja auch während meines Aufenthalts zu bloggen begonnen was mir auch sehr geholfen hat und ich mit Begeisterung weiterführen werden. Wie könnte ich auch anders, bei dem Lob das mich über die Kommentare und per E-Mail erreicht.

Danke an alle Leser und nicht vergessen: stay tuned!



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indiser 01/28/2009 18:21

da kommen erinnerungen hoch ;-)
vor jahren war ich auch einmal in einer Auszeit. Während dessen, war es jedoch eine schmerzhafte und produktive zeit der ressonanz, des rückblicks, des ertatsen der zukunft, der fragen warum, wohin und wozu.
Im nachhinein, war es ein innehaten, besinnen und kraft schöpfen, ein, eine neue richtung einschlagen.

Ich wünsche Dir jeden Erfolg den Du benötigigst und den Du Dir wünschst.

lg Gabi

Saltira 01/23/2009 09:38

Viel Erfolg weiterhin, Schritt für Schritt, so muss es gehen ;)
LG,
Saltira

Margot 01/14/2009 23:45

Ich wünsche dir, dass du dieses positive Gefühl auch in den Alltag retten kannst.
Liebe Grüße von Margot