Midlife Crisis mit 20? Nein, Quarterlife Crisis!

Veröffentlicht auf von teh

Die so genannte Midlife Crisis dürfte wohl fast jeden von uns ein Begriff sein. Umgangssprachlich wird damit ein psychischer Zustand der Unsicherheit im Lebensabschnitt von ca. 30 bis Anfang 50 Jahren beschrieben. Diese Unsicherheit kommt dadurch zustande, dass die meisten Menschen ihr Dasein nach einem Lebenssinn ausrichten bzw. ausrichten möchten und dazu meinst keine Gelegenheit haben. In meinem Artikel Memento Mori: Ein Aufruf habe ich es folgendermaßen formuliert:

„Viele Leute wurden von anderen zu dem gemacht was sie sind und Leben ein Leben das ihnen andere vorschreiben, oder das andere für sie wollten. Unter den Älteren, aber auch unter den Jüngeren gibt es viele die einen Beruf ausüben, eine bestimmte Schule wählen oder ein bestimmtes Fach studieren, weil ihre Eltern es so wollten, ohne es überhaupt selbst zu wollen. Wir sind geprägt durch die Normen unserer Eltern und der zu stark leistungs- und materiellorientierten Gesellschaft. Wir sind nicht die Kleidung die wir tragen, das Auto das wir fahren, die Wohnung in der wir wohnen oder die Noten die wir schreiben. Wir sind wer wir sind, nicht mehr und vor allem nicht weniger. Was das beutet und herauszufinden was wir selbst wollen bzw. wonach wir uns sehnen ist eine der schwersten Aufgaben im Leben, wenn nicht sogar die schwerste. Erst wenn wir es geschafft haben dies herauszufinden, es vor allem auch zu akzeptieren und wir es schaffen für uns selbst zu sorgen ist es uns erst möglich unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, aus den alten Normen auszubrechen und richtig zu Leben beginnen."

Dieses „nachdenken" und „grübeln" über das bisherige Leben hat bisher meistens, wie bereits erwähnt, im Altersbereich zwischen 30 und 50 Jahren stattgefunden.


Mittlerweile gibt es aber eine neue „Krise" die relativ unbekannte Quarterlife Crisis. Auf Wikipedia findet man dazu folgende Definition:

"Die so genannte Quarterlife Crisis ist ein Begriff aus der Populärpsychologie, der einen Zustand der Unsicherheit im Lebensabschnitt nach dem „Erwachsenwerden" bezeichnet."

und weiter:

„Diese Phänomene können in jedem Lebensalter auftreten, jedoch scheint sich eine Häufung dieser Symptome zu ergeben, wenn junge - speziell akademisch gebildete - Menschen mit der „realen Welt" in Kontakt kommen und sich nach ihrer Ausbildungszeit bewähren müssen. Es kommen neue Verantwortung und eventuell als neue Erfahrung Jobunsicherheit, Stagnation der erträumten Laufbahn usw. als Aufgabenbereiche zu den bisherigen dazu. (...)"

Ebenfalls gibt Wikipedia finanziellen Stress als einen der Hauptauslöser bzw. als eines der Hauptsymptome an.


Meiner Meinung nach, ist auch die Tatsache der Reizüberflutung bzw. der „unbegrenzten" Möglichkeiten in der heutigen Zeit einer der Hauptauslöser. Damit meine ich die Möglichkeit jeden Schule besuchen zu können, jeden Beruf ausüben zu können und jede Ausbildung absolvieren können die wir möchten und das zu jeder Zeit und in jedem Land der Erde. Ebenso ist es uns möglich, jeden Berg der Welt zu besteigen, jedes Land der Erde zu besuchen und überall Urlaub zu machen wo es uns gerade einfällt. Es sind diese unbegrenzten Möglichkeiten und der Ehrgeiz nach einem immer bessern Job, besserer Bezahlung, höheren Bergen, besseren Noten, mehr Freunden, mehrere Urlaube, besseren Zeiten beim Laufen oder einer anderer Sportart und überhaupt immer besser zu werden und irgendwie aus der Masse herauszustehen die uns vergessen lässt wer wir selbst sind und was uns früher mal wichtig war, als wir noch nicht unter einem derartigen Leistungsdruck standen. Früher war es eben die Midlife Crisis die viele Menschen getroffen hat und zum Nachdenken über das eigene Leben angeregt hat. Heutzutage trifft es auch die Jüngeren. Ganz egal ob es eine Student der nach seinem Studium auf Jobsuche ist, ein Hauptschüler bei der Entscheidung nach einer weiterführenden Schule oder bei der Suche nach einer Lehrstelle oder jemand mit Maturaabschluss (Abitur) beim auswählen des richtigen Studienfachs. Oftmals wissen wir erst ob wir das richtige ausgewählt haben wenn es dem Ende zugeht und oftmals wissen wir es erst mit deutlich höherem Alter. Die meisten werden nach dem ersten Studium wohl kaum den „Mut" aufbringen noch mal von vorne zu beginnen und ihr „Traumfach" studieren, weil sie sich schon zu alt fühlen und sich Sorgen über „verplemperte" Zeit machen. Es ist nie zu spät seinen Träumen zu folgen:

"Was du tust, ist wichtig, wichtiger aber ist wovon du träumst - und dass du an deine Träume glaubst."

ist ein Zitat von Sergio Bambaren und in diesem Zusammenhang finde ich es sehr passend.

Erst kürzlich habe ich über dieses Thema mit einem Freund diskutiert, der gerade sein erstes Studium begonnen hat und eigentlich überhaupt keine Ahnung hat was er will und welchen Beruf er mal ausüben möchte. Derzeit studiert er einfach so vor sich hin und plant im Sommer- oder Wintersemester nach Wien zu gehen. Ich sagte zu ihm, es geht vielen so wie dir und dafür muss man sich nicht schämen und nach längerer Diskussion und der Erläuterung meiner oben angeführten Ansichten stand folgende Aussage im Raum:

„Dann sind wir eigentlich alle Opfer unserer Zeit und können nichts für unsere jugendliche Planlosigkeit."

Davon möchte ich mich klar distanzieren. Ich weiß, dass es sich, wenn man die oberen Absätze liest, teilweise so anhört, als ob nur die heutige Zeit und die Gesellschaft an allen Schuld ist, aber einen Faktor müssen wir immer berücksichtigen: den Menschen, also uns selbst. Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten mit dieser „Opferrolle" umzugehen. Entweder man nimmt sie an und bemitleidet sich selbst, wählt immer den leichteren Weg und fährt sozusagen die „Mitleidstour". Die zweite Möglichkeit ist, diese Opferrolle als Chance zu nehmen um aus Normen auszubrechen, uns selbst zu finden und zu entdecken was wir überhaupt wollen.



Veröffentlicht in Gedanken

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Revo 01/11/2009 19:47

Keine Sorge, Teh.

Dein Blog ist für mich gestorben. Ganz einfache Sache.

Und nein, von heiraten war sicherlich nie die Rede, ich führe eine glückliche Beziehung.
Aber in der Tat dachte ich nach dem Lesen von memento mori eine andere Art Mensch vor mir zu haben.
Egal.
Das ist soweit nicht schlimm, derlei gehört zum Leben.

Mach's gut. Oder: mach's besser.

kkthxbb, wie man in WoW so schön sagt.

Juliette C. Frollo 01/11/2009 19:30

Ich denke, eine Krise hat nix mit dem Alter zu tun...

Es gibt Menschen, denen geht es das ganze Leben lang beschissen und sie haben keine Wahl.

Andere haben zumindest die Möglichkeit, etwas Glück zu erarbeiten.

Und wiederum Andere haben alles, was man braucht - Und bringen sich trotzdem um.

Ich denke, es gehört schon ein bestimmtes Leben dazu, ob man aus der Opferrolle ausbrechen kann oder eben nicht...
Meine Meinung. °-^
Liebi Grüessli,

Julie

Memnoch 01/11/2009 17:01

Nimms mir nicht krumm, aber ...ich kann da gerade echt nur müde drüber lächeln, über die Sache mit der angeblichen "Opferrolle und Mitleidstour".
Jeder ist seines Glückes Schmied, bla bla..

Ich habe besonders in den letzten 7 Jahren immer wieder erleben müssen, daß man sich anstrengt und macht und tut und durchhält, durchhält, durchhält. Daß man Risiken in Kauf nimmt und und und, alles in dem Bestreben aus "der Opferrolle" auszubrechen und die Dinge zu verbessern und....im Endeffekt und immer und immer wieder an den unglaublichsten Zufällen und Umständen zu scheitern.
(Selbst Freunde mussten inzwischen zugeben, daß es schon bald nicht mehr normal ist.)

WOLLEN bedeutet noch lange nicht KÖNNEN. Schon gar nicht in einer Zeit wie der heutigen...

Aber ach, was reg ich mich auf.

Schön, wenn sich wenigstens paar Leute daran aufgeilen können über Leute wie z.B. mich das AllgemeinUrteil "bemitleidet sich lieber selber" zu fällen.
Dann hat wenigstens einer was davon.

Sorry, wenn ich so gereizt klinge, aber mit diesem Thema triffst Du bei mir einen sehr sehr wunden Punkt.
Ich hab jetzt wenig Lust hier mein Leben von Anfang bis Ende aufzuschreiben, damit Leute wie Du nachvollziehen können, daß man bei allem Willen und Machen und Tun eben NICHT allein die Macht darüber hat, wie die Dinge laufen.

Und ich kotze - ja, ich kotze! - jedesmal darüber ab, wenn mir einer mit selbstgefälligem Lächeln sinngemäß den "Jeder ist seines Glückes Schmied"-Spruch um die Ohren ballert. (Der ist ja immer sehr beliebt bei solchen Besserwissern).

(Und wie ich Dich bislang erlebt habe in den Kommentaren, wirst Du mich jetzt lächelnd fragen, warum ich mich denn angesprochen fühle..blubb)

Verzeih, aber wer so redet, der hat es scheints nie wirklich schwer gehabt im Leben.
(Wenn es anders ist, dann verstehe ich nicht, wie man so einen Pseudo-Psycho-Bullshit zusammenkleistern kann....)

:-|

P.S.: der Witz ist doch, daß die wenigsten heutzutage noch das Privileg geniessen, sich wirklich aussuchen zu können, was sie denn erlernen und arbeiten wollen. Die meisten müssen nehmen, was sie kriegen können, um der Existenz Willen.
Schonmal Zeitarbeit gemacht, ja? Auch nur die geriiiiingste Ahnung, wie es heutzutage abläuft, ja?!

Denk mal drüber nach.

teh 01/11/2009 19:26



Ich finde dein Kommentar sehr unpassend, unüberlegt, in gewisser Weise beleidigend und du ziehst deine Kommentare auf eine mir
Gegenüber persönliche Ebene womit ich keines falls einverstanden bin. Deine bisherigen Kommentare haben mir auch schon etwas „aufgestoßen“ aber dieses übertrifft die Grenzen von dem was ich mir
vorgestellt habe. Anfangs hat es auf mich fast schon so gewirkt als würdest du mich für einige meiner Artikel fast heiraten und mittlerweile übst du nur noch Kritik und diese ist auf keinen Fall
konstruktiv.


 


Wenn du den Artikel richtig gelesen hättest würden sich einige deiner Aussagen
negativieren. Ebenso der Punkt mit „Ich hab jetzt wenig Lust hier mein Leben von Anfang bis Ende aufzuschreiben, damit Leute wie Du nachvollziehen können, dass man bei allem Willen und Machen und
Tun eben NICHT allein die Macht darüber hat, wie die Dinge laufen.“ den ich habe eigentlich eingangs nur geschrieben, dass die heutige Zeit und die derzeitige Gesellschaft „schuld“ an allem ist.
Erst später habe ich den Punkt mit den Menschen, also uns selbst erwähnt. Würdest du nicht durch den Artikel fliegen und dabei schon zu „kotzen“ anzufangen, hättest du das nicht überlesen und
müsstest mich nicht derart „ankotzen“.


 


Ebenfalls finde ich, dass der Spruch "Jeder ist seines Glückes Schmied" den ich
dir ja derart selbstgefällig und besserwisserisch vermittelt habe zum Teil richtig. Das er nur zum Teil richtig ist, habe ich dir jetzt auch schon im oberen Absatz vermittelt.


 


„Verzeih, aber wer so redet, der hat es scheints nie wirklich schwer gehabt im
Leben. (Wenn es anders ist, dann verstehe ich nicht, wie man so einen Pseudo-Psycho-Bullshit zusammenkleistern kann....)“


 


Da hast du natürlich vollkommen recht. Ich hatte noch nie Probleme im Leben,
hatte es noch nie schwer, alles wurde mir gekauft und ich wurde natürlich nur verwöhnt. Ebenso habe ich selbstverständlich noch nie gearbeitet den wozu sollte ich mir mein Leben schwer machen?
Sogar mein Hintern wurde mir nach der großen Toilette abgewischt, damit ich mich nicht zu sehr anstrengen musste.


 


„Auch nur die geriiiiingste Ahnung, wie es heutzutage abläuft,
ja?!“


 


Nein!


 


Nur zum Hinweis: Das war Ironie, aber ich wollte nur noch mal darauf hinweisen,
den du übersiehst anscheinend relativ viel wenn du kotzend meine Artikel und Kommentare überfliegst.


 


Das wars. Ich habe mich eigentlich ziemlich zusammengerissen, da ich verbal sehr
sehr ausfallend werden kann, aber das war es mir nicht wert.


 


„Und wie ich Dich bislang erlebt habe in den Kommentaren, wirst Du mich jetzt
lächelnd fragen, warum ich mich denn angesprochen fühle..blubb“


 


Du hast mich so erlebt, weil es stimmt. Im Übrigen hat dich keiner dazu gezwungen
meine Artikel zu lesen und/oder zu Kommentieren. Ebenso hat dich keiner dazu gezwungen sie jedes Mal auf dich selbst zu beziehen.


In Zukunft werde ich deine Kommentare nicht mehr kommentieren.


 














Travis 01/11/2009 16:14

Ich habe zurzeit die Endlife-Crisis;-)