Namen

Veröffentlicht auf von teh

Man sitzt vor einem Stück Papier und versucht seine Gedanken niederzuschreiben, aber das einzige das man empfindet ist Leere. Komplette, alles ausfüllende Leere. Keine Lust zu schlafen, zu reden, zu essen, zu atmen, zu Leben. Keinen Sinn zum „sein".


Wozu leben wir überhaupt? Wir werden geboren, leben unser Leben und sterben. Ohne Nachhaltigkeit und ohne Andenken. Nachhaltig nur in den Gedanken derer, denen wir etwas bedeutet haben. Diese geben einen Teil ihrer Liebe bzw. Zuneigung sowie einen Teil des Schmerzes der durch den Verlust erlitten wurde weiter an ein Kind, einen Freund oder einen Bekannten. Diese Person, die diese „Nachhaltigkeit", dieses Andenken im Sinne von Gefühlen und Erzählungen erhält, kannte den Verstorben bzw. die Verstorbene nicht und fühlt nicht dasselbe beim Gedanken an die tote Person. Dieses „nicht kennen" bzw. „nicht fühlen" führt dazu, dass diese Person das erhaltene „Andenken an eine andere Person" nicht weiter geben wird und der/die Verstorbene letztendlich irgendwann in Vergessenheit gerät. Die Person wird zu einem Namen, einem Namen in zB einer Familienchronologie oder ein Name auf einer Liste in irgendeinem Archiv. Ein Name ohne Geschichte.


Namen sind etwas Eigenartiges. Sie bezeichnen einen Menschen ohne ihn zu werten und ohne etwas über ihn preis zu geben oder ihn kennen zu lernen. Wenn ich einen Name lese, zB auf einem Grabmal frage ich mich: „Wer war dieser Mensch? Wie hat er gelebt und was hat er erlebt? Wurde er geliebt?". Die meisten Menschen, ich denke sogar fast alle, interessiert so etwas nicht. Mich schon. Ich weiß nicht warum. Leider. Vielleicht weil ich fürchte auch einmal nur noch ein Name auf einer Liste oder einem Grabmal zu werden? Ein Name ohne Geschichte.


Jeder Mensch hat eine Geschichte, aber wer erzählt sie?

16. September 2008

Veröffentlicht in Gedanken

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J* 12/31/2008 19:30

Ich kenne das diese Leere. Im inneren könnte man soviel schreiben, man hat unendlich viele Gedanken, Fragen und Aussagen aber sitzt man vor dem Blatt Papier dann bekommt man kein Wort raus obwohl der Kopf voll ist aber in diesen Moment ist er verdammt leer.

LG J*

limbo|| 12/29/2008 18:16

Ursprünglich wurden Namen einfach erfunden um sich besser voneinander unterscheiden zu können. Irgendwann im Mittelalter wurden dann die Nachnamen eingeführt, mit denen man Menschen noch besser unterscheiden konnte. Viele Menschen sind sich heute nicht mehr bewusst, das vor allem Vornamen auch immer eine Bedeutung und einen Ursprung haben. Außerdem unterstreichen Namen die Einzigartigkeit und Besonderheit eines Menschen. Ich denke schon das Namen eine Person werten und auch etwas über ihn preisgeben.

Man kann zum Beispiel anhand eines Namens oft herausfinden aus welchem Land diese Person stammt, stammen könnte oder wo diese Person seine Wurzeln hat.

Vornamen können aber auch über den Charakter oder die Wesensart eines Menschen Auskunft geben.
Ein Beispiel: Der Name "Simon" kommt aus dem Hebräischen und bedeutet
„Gott hat erhört". Wenn man auf einen Menschen mit diesem Namen trifft dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Eltern haben dem Kind diesen Namen gegeben weil sie ihn schlichtweg schön finden -also ohne groß darüber nachzudenken- oder aber sie gaben ihrem Kind diesen Namen weil sie gläubige Christen sind. Falls zweiteres zutrifft, liegt die Vermutung nahe das dieses Kind von christlichen Werten geprägt wurde. Somit kann man auch auf den Charakter, das (soziale) Verhalten oder die Wesensart dieses Menschen schließen.
Ich glaube auch das Namen uns unterbewusst mehr beeinflussen als wir uns vorstellen können. Anhand eines Namens können wir einem Menschen gegenüber Sympathie, Antipathie, Respekt oder Hohn entwickeln, ohne mit diesem Menschen gesprochen oder auch ohne ihn gesehen zu haben....
So viel zu den Lebenden.

Ich gebe dir Recht, ein Name auf einem Grabmal sagt wirklich nichts über den Lebenslauf eines Toten aus. Doch muss er das? Ein Grab oder ein Grabstein dient nicht dem Toten, sondern den Hinterbliebenen. Ein Grab dient dazu den Menschen zu helfen ihre Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten und ihn nicht zu vergessen.
Die Toten haben ihren Frieden gefunden - ihnen kann es egal sein ob sich jemand an sie erinnert oder nicht.

Man muss sich dessen bewusst sein, das einerseits jeder Mensch früher oder später sterben muss und andererseits das wir alle früher oder später in Vergessenheit geraten.
Nichts ist für die Ewigkeit - Irgendwann stirbt unser Planet, spätestens wenn er auf die Sonne trifft und von ihr verschlungen wird, und so auch die Menschheit - irgendwann geht sie unter. Dann ist alles vergessen.

Da fällt mir ein gutes Zitat aus dem Film "Sunshine" ein, in dem es heißt:
"Wir sind doch alle nur Sternenstaub..."

Irgendwann ist es egal wer wir waren, was wir waren oder warum wir waren. Darum fällt es mir auch schwer, Interesse für einen Grabstein aufzubringen. Ein Grabstein. Einer von mehreren Millionen auf dieser Erde.
Ein Mensch, der gestorben ist.

Mir persönlich ist es egal ob sich die Menschen nach meinem Tod an mich erinnern werden. Selbst wenn sie es tun, geht diese Erinnerung früher oder später verloren. Ich glaube auch das es vielen Lebenden sogar lieber ist, wenn sich niemand an sie erinnert - oder sie wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden.
Ruhe in Frieden...

teh 12/30/2008 08:29


Danke für dein wunderschönes Kommentar! In einigen Sachen hast du natürlich recht, jedoch vergibt in der heutigen Zeit einen Namen aufgrund seiner Bedeutung. Zumindest in der westlichen Welt. Ich
glaube mich zu erinnern einmal gelesen zu haben, dass dies im Islam jedoch gang und gebe ist.

Man kann etwas über seine Herkunft erfahren, aber nicht wie dieser Mensch war. zB freundlich, hasserfüllt, hilfsbereit, egoistisch, altruistisch und das wollte ich damit Aussagen und deshalb sind
für mich Namen etwas geheimnisvolles.

Danke und Liebe Grüße
teh

PS: Party-Squad > Shots!