Wiederholung & Augen

Veröffentlicht auf von teh

Als ich zur Schule (PH-Ausbildung) ging, läutete jeden Tag mein Wecker um dieselbe Uhrzeit. Danach folgte täglich derselbe Ablauf mit duschen, fönen, frühstücken, Tasche packen und Zähne putzen. Jeden Tag verließ ich auf die Minute genau das Haus und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort angekommen, bot sich mir jeden Tag dasselbe Bild: auf der Bank im Wartehäuschen saßen zwei, manchmal drei Kinder die wohl auf dem Weg zu Schule waren und schon in der Früh mit ihren Handys spielen mussten. Neben dem Zeitungsständer stand immer eine Frau um die 40ig, meistens mit offenen Haaren. Sie war übrigens tätowiert. Am rechten äußeren Eck - an der Säule - standen ein Mann um die 30ig und eine Frau in etwa demselben Alter. Anscheinend waren sie liiert, zeigten dies aber nie in der Öffentlichkeit im Sinne von Umarmungen, Küssen oder liebevollen Blicken. Neben dem Fahrkartenautomat wartete immer ein ca. 18-19 jähriger schwarzhaariger Jugendlicher, der mich täglich aufgrund meiner eher musikorientierten Kleidung und der lauten Musik aus meinen Kopfhörern misstrauisch bzw. abweisend musterte. Keine Angst, dich möchte ich nie kennen lernen.


Jedenfalls warteten jeden Tag zu 90 % dieselben Leute auf den gleichen Zug, mit dem auch ich fuhr. Das witzige daran ist: nach einer Woche kannte man von jeder Person seinen kompletten Kleiderkasten und konnte an Gewand und Gesichtsausdruck die Stimmungslage ablesen. Zumindest bildete ich mir das ein, obwohl ich keine einzige Person kenne und wahrscheinlich nie kennen lernen, geschweige den mit ihnen reden werde.


Im Zug selbst, also die Leute die bereits im Zug saßen entsprachen demselben Muster: selber Ablauf, selber Sitzplatz, selbe Umgebung. Dies alles vermittelt Sicherheit sowie einen gewissen Schutz und doch ist es einfach nur langweilig. Jeden Tag dasselbe - ich selbst mache es auch so, doch wofür?


Meistens habe ich mich zu einem etwa 17 Jahre alten Mädchen gesetzt. Vor allem aus dem Grund, weil bei ihr immer ein Platz frei war, aber hauptsächlich weil sie immer starr aus dem Fenster gesehen hat. Wenn man den meisten Menschen in die Augen blickt, sieht man meist Sorgen um materielle Dinge wie Geld, Wohnung und den Arbeitsplatz, was sich meistens eben in einem sorgenvollen Blick auswirkt. In den wenigen Momenten in denen ich in ihre Augen blickte, sah ich gar nichts. Absolut nichts. Keine Freude, keine Sorgen, keinen Leben, aber auch keine Wut, Trauer oder Verzweiflung. Ich sah einfach nichts. Ich weiß nicht warum mich so etwas beschäftigt, aber es fällt mir immer wieder ein. Wie es diesem Mädchen wohl geht? Ich habe mich nie getraut zu fragen... Nur um etwas klarzustellen: Ich fühlte mich nicht zu ihr hingezogen oder ähnliches. Es beschäftigt mich einfach nur.


14. September 2008

Veröffentlicht in Gedanken

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post

Admin - W WIE WEBLOG - 12/28/2008 20:56

Hey auch bei Blogtraffic?
Wie biste den darauf gekommen?

Wünsch dir Glück!

teh 12/29/2008 08:45


Durch dich natürlich. Ich wollts bei deinem Eintrag kommentieren, dass ich mich auch mal angemeldet habe, aber ich musste dann schnell den PC räumen :)

Danke jedenfalls für deinen Hinweis auf deinem Blog.