I dream, therefore i exist.

Veröffentlicht auf von teh


Keine Ahnung was ich schreiben soll bzw. womit ich anfangen soll. Es gibt soviel was mich beschäftigt, was mich nervt, was mich ankotzt, was mich stört, was mich runterzieht, was mich traurig macht,... Doch, wen interessiert das? Ich weiß es nicht - nicht einmal ich selbst beschäftigte mich damit, aber ir-gendwie muss ich etwas unternehmen ansonsten zerstört es mich und ich sehe keinen Ausweg, wie mein Bruder. So langsam verstehe ich ihn, wobei ich natürlich nicht weiß aus welchen Gründen er sich das Leben nahm und wir werden es auch nie erfahren. Dieses Geheimnis hat er mit in sein Grab genommen und dort wird es auch bleiben. Vielleicht erzählt er mir es ja einmal im Jenseits (Welch dumme Annahme. Religion? Jenseits? Ich bin Atheist).

Warum kann ich keinem vertrauen? Warum kann ich mit keinem darüber reden wie es mir wirklich geht? Wieso fällt mir das alles so schwer? Nicht, dass ich keine guten Freunde hätte mit denen ich wohl über alles reden könnte - es liegt an mir, ich kann mich nicht öffnen. Ich bin zu verletzlich auch wenn ich nach außen hin nicht so wirke. Nach außen wirke ich wohl selbstsicher, witzig und durch nichts aus der Fassung zu bringen, aber nur nach außen. Traurigerweise belüge ich dadurch vor allem die Leute mit denen ich täglich zu tun habe und das ist durch nichts zu entschuldigen.

Liegt es daran, dass ich meine ganze Hauptschulzeit verarscht und runter ge-macht wurde und auf mich und meine Gefühle getreten wurde wie auf ein Stück Asphalt? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Möglicherweise liegt es daran, dass mich die einzige Person der ich damals wirklich vertraut habe alleine gelassen hat. Alleine in dieser Welt voller schwieriger Aufgaben bei denen ich deinen Rat gebraucht hätte. Wo bist du? Ich vermisse dich, alles scheint so sinnlos zu sein. Ich weiß nicht was ich machen soll, ob ich dir folgen soll - ist dies der einzig richtige Weg? Irgendwie klingt das auch nicht richtig und doch verstehe ich deine Entscheidung wöchentlich, nein täglich, nein stündlich immer mehr. Ich respektiere sie und den Mut den man dafür aufbringen muss und genau diesen Mut könnte ich wahrscheinlich nie aufbringen.

Ich habe schon viele wundervolle Menschen kennen gelernt. Bei meiner Lehre zum Verwaltungsassistent, während meines Zivildienstes und jetzt auch wieder bei meiner Ausbildung zum Pflegehelfer. Ich habe einen wundervollen Beruf gefunden der mich mit Stolz erfüllt und den ich gerne ausübe. Ich kann Menschen helfen, doch wer hilft mir? Nach Hilfe zu fragen ist wohl die schwierigste Aufgabe die es im Leben zu meistern gibt. Wen soll man auch fragen und wem kann man bedingungslos vertrauen? Wenn dann wohl seinem bes-tem Freund oder seinem Partner wobei beides irgendwie einhergeht bzw. einhergehen sollte bzw. einhergehen kann.

Ich verliebe mich, ich offenbare meine Gefühle, ich versuche mein bestes, doch es reicht nie. Auf meinen Gefühlen wurde schon oft mit Füßen getreten. Es erscheint so sinnlos sich erneut aufzuraffen und es noch einmal zu versuchen. Jeder versucht mir Ratschläge zu erteilen, doch weiß keiner wie es in mir wirklich aussieht und welche Gründe es haben könnte, dass ich nicht mehr aus mir herausgehen kann (traurigerweise vor allem ohne Alkohol).

Ich entgegne den Menschen die mich kennen lernen und mir helfen möchten mit Misstrauen. Zu oft wurde ich schon enttäuscht - von Freunden, von Frauen, vor allem von meinem Bruder, weil er mit den Abschiedsworten auf der Mailbox eines Freundes gegangen ist: „Peter, was soll ich nur machen? Ich liebe dich, du bist mein kleiner Bruder. Bitte verstehe mich. Ich werde immer bei dir sein". Was zur Hölle soll ich nur damit anfangen?

Es gibt ein Zitat, mir ist missfallen von wem es ist, aber es geht so: „Nur jener Mensch ist seelisch gesund und im Leben handlungsfähig dessen Grundgefühl nicht die Angst sondern das Vertrauen ist." Dieses Zitat hängt groß ausgedruckt bei mir im Zimmer. Ich habe es vor einigen Jahren bei meiner Tante gelesen und ich fand es irgendwie großartig und wie ich heute merke: es stimmt, durch und durch. Wie soll ich jemand anderes vertrauen wenn ich mir nicht einmal selbst vertrauen kann? Ich glaube nicht an mich selbst. Ich fühle mich nutzlos, ich sehe keine Aufgabe im Leben. Gibt es einen Sinn des Lebens? Mir ist er jedenfalls bisher meist verborgen geblieben.

Es ist so schwierig jeden Tag aufzustehen, den Tag zu leben und zu glauben es habe alles einen Sinn und alles ist großartig. Das ist es irgendwie nur selten. Es ist jeden Tag wieder eine Qual wenn mein Wecker läutet, wenn ich aufstehe und wenn ich mein hässliches Antlitz im Spiegel erkenne. Wer bin ich? Wer will ich einmal sein und wo will ich einmal stehen? Was mache ich hier überhaupt... Warum gehe ich nicht einfach und würde es jemand realisieren wenn ich einfach nicht mehr da wäre? Werde ich wirklich vermisst werden? So vermisst werden dass es weh tut - würde ich so vermisst werden wie ich meinen Bruder vermisse?

Die Liebe scheint etwas wirklich tolles zu sein. Sich jemanden bedingungslos hinzugeben, respektiert zu werden - jemanden zu respektieren. Mit jemanden reden können. Es ist jemand da der einen zuhört und im Gegenzug hört mal ebenfalls zu. Es ist ein ständiges geben und nehmen und das vielleicht für das restliche Leben. Die ewig Liebe und Liebe auf den ersten Blick - eine Erfindung Hollywoods? Ich hoffe nicht - i dream, therefore i exist.


Dieser Text ist im August 2008 entstanden, ca. 1 Monat bevor ich mich selbst in das Krankenhaus eingewiesen habe.

Heute denke ich nicht mehr so. Ich habe vieles gelernt, eingesehen, ausprobiert und gemeistert. Beispielsweise konnte ich früher schwer über Gefühle sprechen. Heute ist dies kein Problem mehr wie man auch hier im Blog merkt, da ich alle meine Texte und Gedanken für wildfremde Menschen offenlege. Natürlich läuft das alles hier unter der Anonymität des Internets jedoch habe ich es auch geschafft mit meinen Eltern und Freuden darüber zu reden und mich zu öffnen und ich wurde nicht enttäuscht und verletzt. Ich werde auch so gemocht, so wie ich wirklich bin - sensibel und verletzlich.

Ich kann jeden der in einer ähnlichen Situation ist nur eines sagen: Gebt nicht auf. Es gibt Hoffnung auf Besserung wenn man es zulässt. Einfach ist es auf keinen Fall und es nur langsam bergauf im Gegenzug jedoch sehr schnell wieder bergab. Es entmutigt einen immer zu kämpfen und zu verlieren, aber mit jedem Kampf wird man geübter , wird besser und fängt an ab und zu zu gewinnen und es wird immer öfter passieren. Ich sage nicht, dass ich mittlerweile in irgendeiner Weise geheilt bin jedoch habe ich wieder neue Kraft zu kämpfen und es verändert sich einiges. Nicht sofort und meistens nicht sichtbar, aber es bewegt sich so vieles, dass einen meistens erst im nachhinein bewusst wird.

"Aufgeben, tut man nur einen Brief"

sagte immer ein Mitpatient auf der Psychatrie zu mir und er hat recht. Aufgeben tut man nur einen Brief am Postamt jedoch gibt man eines ganz sicher nicht auf: sein Leben.


Bitte den Hinweis in der Blogbeschreibung auf der rechten Seite beachten!

Veröffentlicht in Gedanken

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Angie Colen 01/04/2009 11:50

Ich kann nur sagen: ihr beide habt mir, teh, du mit deinen texten und woody mit seinem Kommentar über teh's text, sehr geholfen!
Dafür möchte ich einfach einmal auch Danke sagen!
Ich habe auch schon so einiges erlebt - möchte hier aber jetzt nicht darüber schreiben.. Einfach nur mal Danke sagen - von ganzem Herzen!!
Und ganz ehrlich: Ich bin froh darüber, dass es auch anderen Menschen so geht wie mir, dass sie dieselben Gedanken haben (wahrscheinlich denken fast alle Menschen im Leben oft an diese Dinge, aber nicht viele haben den Mut, öffentlich darüber zu schreiben und andere an ihren Gedanken teil haben zu lassen).

Angie

teh 01/04/2009 15:41


Genau dafür sind die Texte, die Kommentare und die verschiedenen Sichtweisen die sich dadurch ergeben da: Um sich seine Gefühle und Gedanken bewusst zu machen. Erst wenn wir dies geschafft haben
können wir mit ihnen umgehen und ihnen gegebenfalls entgegensteuern.


Woody 12/30/2008 15:09

Hi teh,
zuerst einmal möchte ich sagen, dass mich dein Artikel zutiefst gerührt hat. Nicht, weil es so ein außergewöhnliches Schicksal ist, ich denke, viele haben große Probleme, aber die wenigsten lassen es sich anmerken. Es hat mich eher gerührt, weil ich mitfühlen konnte. Die Erfahrungen, die du da aufzählst, hab ich irgendwie auch schon gemacht. Nur halt wahrscheinlich nicht in dem Ausmaß wie es bei dir gewesen ist.

Ich fang einfach mal wie du bei dem Punkt "Vertrauen" an: Mir fällt es auch schwer, Leuten zu vertrauen. Ich habe einen engen, guten Freundeskreis, dem ich sehr wohl vertraue, aber das liegt eher daran, dass ich schon viel mit diesen Leuten erlebt hab und die Zeit einfach das Vertrauen mitbringt. Andererseits gibt es aber auch Freunde, die ich schon sehr lange und eigentlich auch gut kenne, denen ich aber trotzdem nicht vertrauen kann. Entweder es liegt daran, dass sie solche Kindsköpfe oder ich zu verletzlich bin. Tatsache ist, dass mich ihre Gegenwart und ihre Kommentare runterziehen und ich immer, wenn ich denke sie nun endlich an ihrer Wurzel gepackt zu haben und eine normale Freundschaft führen zu können, enttäuscht werde.

Mir tut die Sache mit deinem Bruder sehr Leid. Ich kann solche Schicksalsschläge nicht aufweisen. Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll oder nicht. Denn es sind ja die Schicksalsschläge, die uns zu besseren Menschen machen:

"Wer nicht durch die Tiefen des Kummers gegangen ist, kann nicht das wahre Leben schmecken." (Daisetz Teitaro Suzuki)

Dieser Satz eines Zen-Meisters erklärt eigentlich so Vieles im Leben. Leid ist nötig, damit der Mensch das Glück herausdifferenzieren kann. Wer viel Schlechtes erlebt, lernt damit umzugehen und entwickelt eine emotionale Distanz. Er lässt sich nicht mehr runterziehen. So wie ich. Ich habe mehr als anderthalb Jahre meines Lebens mit einer sinnlosen und von Beginn an hoffnungslosen Liebe verschwendet. Ich habe mit vielen Leuten darüber geredet, auch mit der betreffenden Person und alle glauben, auch ich glaubte das, ich wär längst darüber hinweg, doch es ist nicht weg. Es gibt Höhen in denen ich es fast vergesse und mich des Lebens freue, dann gibt es wieder Tiefen, in denen ich denke: "Warum? Warum durfte es nicht sein?"
Ich weiß nicht, ob es die Gesellschaft war, die meine Liebe zerstört hat oder ob es an mir lag. Oder an der Person. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht näher drauf eingehen.

Ich scheine abzuschweifen. Sowas passiert leicht, wenn man versucht, über Gefühle zu schreiben. Da kommen einem selbst die Emotionen hoch. Was mir besonders gefällt, ist dein Lebensmut, der in den letzten Abschnitten deutlich wird.

Deinem Aufruf "Gebt nicht auf" kann ich nur zu gerne folgen. Ein Freund und ich haben uns einmal geschworen, dass wir niemals aufgeben, egal was passiert. In einem Gefühl der Epik a´la Hollywood sagt sich sowas leicht, in manchen Lebenssituationen ist sowas aber echt schwer durchzuhalten. Manchmal erscheint der "Lebenswille" spöttisch, wenn er nicht mehr den Genuß des Lebens erzielt, wie es eigentlich sein sollte. Sondern wenn es nur noch ein schmerzhaftes Durchbeißen ist, eine Art Trotzhaltung, die mich am Leben erhält, weil ich aus reinem Selbsterhaltungstrieb "JA" und nicht "Nein" zum Leben sage.

Du hast Recht, dass eine Besserung der Lebens nur sehr langsam vonstatten geht, der Absturz aber sehr schnell erfolgen kann. Letztendlich ist es aber sprichwörtlich der Wille, der zählt.
Wille ist von äußeren Umständen beeinflussbar wie alles andere auch, aber letztlich ist es eine sich selbst erhaltende Konstante und kann auch aus dem größten Leid hervorgehen. Wille hat keine Voraussetzung, Wille kann selbst in einem Menschen sein, der von Glück verlassen und halbtot im Dreck liegt. Und der Wille ist es, der die Dinge möglich macht.


Ich denke, ich erzähle dir hier nichts Neues. Und entschuldige, dass das alles so ungeordnet und wirr ist. Sieh es als Brainstorming meiner Gefühle und Gedanken an und lasse dich inspirieren, wenn du möchtest. Wir können gerne auf einen speziellen Punkt näher eingehen. ;)

teh 12/30/2008 18:25


Ich weiß nicht was ich sagen soll. Dein Kommentar ist wirklich sehr speziell und offen und dafür Danke ich dir. Schicksalsschläge muss man nie vorweisen den Menschen sind verschieden und manche
können mit anderen Themen genau so wenig umgehen wie jemand mit einem schweren Verlust, jedoch ist es mehr als falsch jemanden, oder sich selbst, aufgrund dessen abzuwerten ("Ich hab schon mehr
durchgemacht als du!") sondern verdient es auch verstanden zu werden und verdient vor allem eines: Wertschätzung.

"Wer nicht durch die Tiefen des Kummers gegangen ist, kann nicht das wahre Leben schmecken." von Daisetz Teitaro Suzuki ist wirklich ein schönes Zitat und ich kannte es bisher noch nicht. Dennoch
schaffen es viele nicht (und dazu zähle ich auch mich selbst), den Kummer zu "durchleben" sondern bleiben darin stecken und sinken immer weiter darin hinein bis man auf dem Grund angekommen ist und
jegliche Hoffnung und Freude verschwindet und wir nur noch Verzweiflung und Enttäuschung empfinden können. Ich habe Trauer extra nicht genannt, den Trauer ist gesund und auf keinen Fall negativ zu
sehen den Trauer verlischt nie, aber wir können lernen damit umzugehen.

Das mit deiner hoffnungslosen Liebe tut mir sehr Leid und ich weiß genau was du mit Höhen, auf denen man alles vergisst und Tiefen in denen alles hervorkommt meinst. "Liebe ist wie Krieg: leicht zu
beginnen und schwer zu beenden" bleibt mir bei diesem Thema nur zu zitieren über und ich denke es sagt viel aus.

Danke nochmals für dein Kommentar und ich hoffe wir schreiben uns noch öfter und Inspiration für neue Artikel war genug dabei.

Ich wünsche dir für 2009 alles Gute.
Peter